
Die Ohren tun mir Weh.
Ich sehe ein Feind, ich sehe seine Augen, seine Waffe hat eine Ladehemmung.
Ich sehe sein Angst, und ich genieße es.
Er schaut mich wütend an und greift den Lauf meiner Waffe, dumm.
Er versucht das Bajonett zurückzuziehen, das ihm die Eingeweide frisst.
Er schreit, ich höre ihn nicht.
Er sieht wie mein Cousin aus und ich weine.
Ich sag zu ihm: “Lass! Lass ! Es ist vorbei ! Es ist vorbei jetzt ! ”
Er scheint mich zu verstehen, und er fällt in sich zusammen, langsam, er fließt…
Er schaut mich an und er fließt…
Ich sehe Augustin, und ich bin froh. Er ist von der Lozère wie ich.
Er gibt mir ein Zeichen, zeigt mir den Fluss.
Das Bügelhorn muß den Rückzug blasen.
Ich lasse mein Bajonett in dem Kraut, Ich kann es nicht rausziehen.
Wir laufen in Schweigen.
Wir haben den Graben eingenommen und müssen ihn aufgeben.
Wir treten auf Körpern, von Kameraden, von Gegnern. All das hat keinen Sinn…
Ein großer Schub zieht mich zum Boden. Kein Schmerz…
Ich sehe ein Loch in meinem Mantel qualmen.
Das ist gut, diese Stille, das macht Angst, aber es ist gut.
Ich habe den Eindruck nicht mehr hier zu sein.
Wir kommen an, wir drücken uns auf den Boden. Es vibriert.
Augustin gibt mir eine Zigarette.
Einige Jungs kommen noch, sie strahlen.
Wir suchen den Offizier. Niemand.
Wir sind da, aufgegeben.
Der Kugelhagel nimmt ab und verschwindet schließlich.
Die Krauts sollen den Graben reinigen und konsolidieren.
Man wird das Spiel morgen weiter spielen.
Ich pisse unter mich, die Böschung die uns schützt ist zu niedrig.
Die Zeit vergeht, unwirklich und ich höre wieder.
Augustin sagt nichts, er schläft vielleicht…
Am Morgen, ein Feldwebel kommt, er sagt uns, dass der Waffenstillstand unterzeichnet wird, dass die Kämpfe um 11 Uhr aufhören werden.
Das Kanonenfeuer schwächt nicht ab, ich frage mich ob die Krauts es wissen…
Sie schiessen einfach so, für nichts oder für einen Freund der gestern gefallen ist.
Um zehn, der Mann neben mir bekommt eine Kugel in den Helm. Ich sehe sein Gesicht mit dem Ausdruck des Schreckens, er glaubt an den Tod, und dann lacht er, er lacht und wir lachen mit.
Der Feldwebel kommt wieder und befehlt Augustin, die Nachricht weiter zu geben.
Augustin schaut mich an und seine Augen sind die reine Angst. Er will nicht, nicht bewegen.
Ein Befehl ist ein Befehl, dann kriecht er.
Beim vorbeikriechen, streift er meine Hand und ich glaube daß er weiß.
Er weiß, und ich weiß es auch.
Ich heule.
Er kriecht, er bemüht sich und dann sieht er diese Öffnung in der Böschung.
Er steht auf und läuft.
Ein Meter, drei Meter, fünf…
Er fällt.
Es ist 10:45…
Ich schreie mein Schmerz heraus.
“Augustin!”
Hommage an Augustin Trebuchon, der letzte getötet Franzose des großen Krieges, der der letzte sein sollte. Auf seinem Grab, unweit des Ortes an dem er gestorben ist, ist das Datum vom 10. November 1918 gemeißelt. Durch Entscheidung, durch Spott des Stabes, keiner ist am 11. November gefallen, bis 15 Minuten vor dem Ende der Kampfhandlungen. Mit ihm möchte ich alle unnötigen Opfer aller Kriege ehren …
ENDE
Deutsche Fassung : 2008 mit Unterstützung von Alex Ehrler
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